Von
Windrädern umzingelt
Kölner Stadtanzeiger
VON MARKUS CLEMENS, 15.04.03 |
Die
Bürgerinitiative Störwind prognostiziert der Oberembter
Kirchengemeinde massive Austritte von Gläubigen.
Elsdorf-Oberembt
- Die Schreckensvorstellung vieler Elsdorfer Windkraftgegner könnte
schon bald Realität werden. In sechs Monaten sind wir vielleicht
schon von Windrädern umzingelt, befürchtet Christoph Hausmann
von der Bürgerinitiative Störwind. In der Tat: Die
Arbeiten am Windpark Titz im Kreis Düren - von Oberembt nur knapp
1000 Meter entfernt - haben schon begonnen. Und die Arbeiten am Windpark
Niederzier - auch er liegt im Nachbarkreis und befindet sich rund einen
Kilometer entfernt zu Füßen der Sophienhöhe - könnten
ebenfalls bald losgehen.
Der Fall Niederzier nun sorgt für besonders böses
Blut im Ort. Denn die Windräder dort werden auf Land gestellt,
das der Oberembter Kirchengemeinde gehört, sagt Hausmann sauer.
Die Verhandlungen zwischen der Nachbarkommune und dem Oberembter Kirchenvorstand
sorgen schon länger für Aufregung. Die Kirche zerstört
die Lebensqualität in Oberembt, hatte Störwind
Pastor Stephan Krenzel während einer Bürgerversammlung vorgeworfen.
Krenzel hatte damals argumentiert, das Land nicht verkaufen zu wollen,
wenn die Mehrheit der Bürger dagegen ist. Sollten die
Windräder aber niemandem schaden, können die wirtschaftlichen
Argumente den Ausschlag geben.
Genau dies ist jetzt geschehen. Wir haben unser Land verpachtet,
erklärt der Pastor auf Anfrage. Dabei schränkt er aber ein,
dass auch ohne uns die Windräder dort nicht zu verhindern gewesen
wären. Denn zwei Landwirte, so Krenzel, hätten ebenfalls
Flächen zur Verfügung gestellt. Zudem habe die Kirche in den
Verträgen sichergestellt, dass ein kompletter Rückbau der Anlagen
durch die Betreiber garantiert werde.
Hausmann und seine Mitstreiter sind empört über die Haltung
des Kirchenvorstands. Der Pastor hat den Kontakt zu seiner Basis
verloren, kritisiert er. Pastor und Kirchenvorstand hätten
wohl nicht richtig zur Kenntnis genommen, dass die Mehrheit der
Menschen die Windräder ablehnt. Hausmann prognostiziert der
Kirche eine massive Austrittswelle und kündigt eine Umfrage
unter den Oberembter Bürgern an. Die Unterlagen werden wir
dem Kölner Erzbistum zuschicken. Denn dort, so Hausmann weiter,
müssen die Verträge noch genehmigt werden.
Der Pastor dagegen hat eine andere Sicht der Dinge. Zwei Drittel der Oberembter
Gläubigen hätten Unterstützung signalisiert. So hätten
viele gesagt, dass die Kirche das Land verpachten soll, wenn die
Windanlagen ohnehin nicht zu verhindern sind. Zudem sei sichergestellt,
dass die Anlagen so weit entfernt aufgestellt werden, dass mit Belästigungen
oder gesundheitlichen Folgen für die Menschen nicht zu rechnen
sei.
Unterdessen scheinen die Windkraftgegner mit einem weiteren Versuch gescheitert
zu sein, die fünf Räder an der Grenze zu Niederzier doch noch
verhindern zu können. Bei einem Gespräch mit dem dortigen
Bürgermeister haben wir noch einmal über die Aufstellung eines
Bebauungsplanes gesprochen, erläutert Hausmann. Mittels eines
solchen Planes könnte zumindest die Anzahl und die Größe
der Windanlagen kontrolliert werden. Wir hätten die Erstellung
des Planes sogar selbst bezahlt. Doch Bürgermeister Hartmut
Nimmerrichter blieb skeptisch.
Dies könnte fatale Folgen für die Gemeinde Niederzier
haben, begründete er die ablehnende Haltung. Seine Gemeinde
habe ganz bewusst lediglich eine Vorrangfläche für Windanlagen
ausgewiesen, damit auch nur dort Räder aufgestellt werden dürfen.
Die Fläche hat für Niederzier zudem den Vorteil, dass sie von
Niederzier aus hinter der Sophienhöhe liegt, deren Einwohner also
von möglichen Störungen durch Schatten oder Lärm nichts
mitbekommen werden.
Wenn der Investor aber aufgrund des B-Planes die Wirtschaftlichkeit seiner
Anlagen gefährdet sieht, könnte er Klage beim Verwaltungsgericht
einreichen und bei einem Erfolg die Windräder auch an anderen Stellen
in Niederzier aufstellen. Und genau das wollen wir natürlich
verhindern.
Störwind will trotz aller Widrigkeiten nicht aufgeben. Wenn
es rechtliche Möglichkeiten gibt, werden wir gegen die Windpark Niederzier
klagen, kündigt Hausmann an. Die Aufstellung der Windräder
in Titz wird sich zumindest erst einmal nicht verhindern lassen.
Optimistisch sind die Windkraftgegner auch in Bezug auf die drei Vorrangflächen
auf Elsdorfer Gemeindegebiet.
Ihr Ziel ist, dass von den drei Flächen lediglich noch eine
übrig bleibt. Dann könnten auf Elsdorfer Gebiet nur noch
Windanlagen unweit der Autobahn 61 an der Grenze zu Bedburg-Kirdorf aufgestellt
werden. Doch dagegen haben Kirdorfs Ortsvorsteher Josef Gerards und zahlreiche
Bürger schon erbitterten Widerstand angekündigt.
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Pastor
Krenzel hat den Kontakt verloren
Kölnische
Rundschau
HEINZ-LUDWIG
KANZLER, 15.04.03
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ELSDORF-OBEREMBT.
Die Kirchengemeinde will nun doch Kirchenland für den Bau von Windrädern
verpachten.
Das hat der
Kirchenvorstand beschlossen. Wir haben uns die Entscheidung nicht
einfach gemacht, sagte Pastor Stephan Krenzel. Vor unserer
Entscheidung haben wir Experten angehört, denn unser Motto war nicht:
Hauptsache, es fließt Geld, sondern wir haben zuerst nach der Gesundheit
geguckt.
Nach Anhörung der Experten sei der Oberembter Kirchenvorstand zu
der Einsicht gekommen, dass nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand
keine gesundheitliche Schäden zu erwarten seien. Ob Infraschall schade,
sei wissenschaftlich nicht erweisen. Schlagschatten spielten bei einer
Entfernung der geplanten Windräder von rund 1,2 Kilometer zum nächsten
Haus von Oberembt keine Rolle.
Der Kirchenvorstand müsse natürlich Gewinn bringend arbeiten,
das Geschäft mit den Windrädern sei zurzeit lukrativ. Das
Geld, das wir aus der Pacht einnehmen, kommt Oberembt zugute, kündigte
Krenzel an. Wir werden die Kinder- und Jugendarbeit fördern
sowie bedürftige ältere Menschen unterstützen. Ein
weiteres Argument sei gewesen: Wenn Windräder auf den anderen Grundstücken
der Vorrangzone nicht zu verhindern seien, könne auch die Kirche
Land verpachten. Es sei allerdings noch ungewiss, ob überhaupt gebaut
werde. Der Pfarrer glaubt, dass höchstens vier Windräder dort
gebaut werden können.
Die Bürgerinitiative Störwind kritisiert die Entscheidung
des Kirchenvorstands. Der Pastor hat den Kontakt zur Bevölkerung
verloren, sagt Christoph Hausmann, Sprecher der Initiative. Er
hätte sich schlau machen sollen, wie die Mehrheit in Oberembt aussieht.
Viele hätten schon angekündigt, sie wollten jetzt aus der Kirche
austreten, weil es nicht vertretbar sei, wie mit Kirchenland umgegangen
werde. Dem Kirchenvorstand geht es nur ums Geld, behauptet
Hausmann.
Die Bürgerinitiative will versuchen, doch noch etwas gegen die fünf
geplanten Windräder auf Niederzierer Gebiet zu unternehmen. Laut
Hausmann will sie den Niederzierern einen Bebauungsplan für die Vorrangzone
bezahlen, um so auf Anzahl und Höhe der Windräder Einfluss nehmen
zu können. Es habe schon Gespräche mit dem Bürgermeister
gegeben. Notfalls wolle die Bürgerinitiative rechtliche Schritte
einleiten.
Für die bei Oberembt geplanten drei Windräder, die auf dem Gebiet
der Gemeinde Elsdorf liegen, haben die Elsdorfer einen Bebauungsplan mit
Veränderungssperre aufgestellt.
Die fünf Windräder, die ebenfalls bei Oberembt auf dem
Gebiet der Gemeinde Titz gebaut werden, können wir nicht mehr verhindern,
sagte Hausmann. Bekanntlich haben dort vor kurzem die Bauarbeiten begonnen.
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Beide
Seiten wollen klagen
Kölner
Stadtanzeiger vom 31.01.2004
VON MARKUS
CLEMENS
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Beide
Seiten wollen klagen
Elsdorf - Bürger und der Investor EnergieKontor konnten Anregungen
und Kritik zu den drei in Elsdorf möglichen Windparks äußern.
Nachdem das Oberverwaltungsgericht in Münster im vergangenen Sommer
festgestellt hatte, dass Kommunen beim Bau von Windparks die Lage, Höhe
und die Entfernung zur Wohnbebauung festlegen dürfen, ist die Elsdorfer
Gemeindeverwaltung aktiv geworden. In einer ersten so genannten vorgezogenen
Bürgerbeteiligung schlägt die Verwaltung etwa vor, dass die
Windräder in den drei möglichen Elsdorfer Parks nicht höher
als 100 Meter sein dürfen. Doch dies ist dem Bremer Windkraft-Unternehmen
EnergieKontor zu wenig, der Bürgerinitiative Störwind
dagegen viel zu viel.
50 Meter hoch, auf keinen Fall mehr, erklärt Störwind-Sprecher
Christoph Hausmann. Die Entfernungen zur Wohnbebauung - im Plan
liegt sie im Einzelfall bei nur 250 Metern - müsse deutlich
vergrößert werden. Derart geringe Abstände, so Hausmann
weiter, seien im Falle eines möglichen Flügelbruches viel zu
gefährlich.
Klagen angekündigt
Susanne Liesen von EnergieKontor betont, dass sie sich ausführlich
erst äußern wolle, wenn die endgültige Planung vorliege.
Eines stellt sie jedoch klar: Wenn die Wirtschaftlichkeit unserer
geplanten Projekte gefährdet ist, werden wir dies nicht hinnehmen.
Dies könne bereits der Fall sein, wenn die Anlagen nicht höher
als 100 Meter werden dürfen. Die von Störwind gewünschte
Höhe von 50 Metern sei überhaupt nicht akzeptabel.
In einer Stellungnahme hatten EnergieKontor und andere potenzielle
Investoren davon gesprochen, 130 Meter hohe Anlagen aufstellen zu wollen.
Auch bei den Fragen zum Lärmschutz ist es unwahrscheinlich, dass
Windkraftbetreiber und Windkraftgegner auf einen Nenner kommen. Hausmann
und seine Mitstreiter fordern etwa, dass die Windräder - sollten
sie den überhaupt kommen - nachts komplett abgeschaltet werden.
Doch eine solche Verhinderungsplanung, dies machte Liesen
deutlich, werde ihr Unternehmen nicht akzeptieren. Dann schließen
wir weitere Klagen natürlich auch nicht aus. Eines stellte
Elsdorfs Beigeordneter Johannes Mies in diesem Zusammenhang klar: Wenn
in der Schlussplanung Höhen und Entfernungen stehen, die der Bürgerinitiative
nicht passen, plant sie ebenfalls vor Gericht zu ziehen.
Die Gemeindeverwaltung werde nun alle Anregungen und Kritikpunkte, die
in der Bürgerbeteiligung geäußert worden sind, sorgfältig
abwägen. Danach werde sich der zuständige Planungsausschuss
wieder mit dem Thema beschäftigen. Erst ganz zum Schluss dann werde
das förmliche Verfahren eingeleitet. Noch ist nichts
entschieden, nichts ist vorweggenommen.
Nach Aussagen der Streithähne scheint es ohnehin unwahrscheinlich
zu sein, dass beide einen endgültigen Plan akzeptieren werden. Wir
fordern mehr, als bislang herausgekommen ist, betonte Hausmann.
Seine Gegenspielerin Susanne Liesen versprach, weiterhin ein äußerst
kritisches Auge auf das ganze Verfahren zu werfen.
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Furcht
vor Eiswurf und Flügelbruch
Kölner
Rundschau vom 31.01.2004
von
Heinz Ludwig Kanzler
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ELSDORF.
Das Bebauungsplanverfahren für die geplanten Windkraftzonen in der
Gemeinde läuft, gestern Mittag lief die Frist für die Anregungen
und Bedenken der Bürger ab. Christoph Hausmann, Werner Zavelberg und
Tobias Bernstorff von der Bürgerinitiative Störwind
gaben ihre Stellungnahme gestern persönlich bei Bürgermeister
Harald Schröder ab.
Wir lehnen die von der Verwaltung vorgeschlagene Höhe der Windräder
von knapp 100 Metern ab, sagte Christoph Hausmann. Wir fordern
eine Gesamthöhe der Windräder von höchstens 50 Metern.
Als die Vorrangflächen vor einigen Jahren geplant worden seien, sei
dies die durchschnittliche Höhe der Windräder gewesen. Wenn kleinere
Windräder damals wirtschaftlich gewesen seien, dann müsse dies
auch heute der Fall sein. Außerdem sei hier in der Region in 100 Metern
Höhe der Wind zu schwach.
Die Bürgerinitiative lehnt auch den von der Verwaltung vorgeschlagenen
Abstand von 250 Metern zur nächsten Bebauung ab. Nach neuen Gerichtsurteilen
ist ein Abstand von 300 Meter zum nächsten Haus zwingend, sagte
Hausmann. Bei 100-Meter-Windrädern ist das Risiko groß,
dass bei einem Abstand von 250 Metern bei Eiswurf oder Flügelbruch
ein Haus getroffen wird.
Die Bürgerinitiative glaubt außerdem, dass bei dem im Bauausschuss
vorgelegten Lärmgutachten nicht die neueste Rechtsprechung berücksichtigt
wurde. Zudem trete im Juli eine neue EU-Richtlinie in Kraft. Wir wollen,
dass im Bebauungsplan sichergestellt wird, dass nachts der Lärmwert
von 35 db(A) nicht überschritten wird, sagte Werner Zavelberg.
Die Bandanlage bei Niederembt müsse in der Planung berücksichtigt
werden.
Die Bürgerinitiative fordert außerdem an mehreren Häusern
fest installierte Überwachungssysteme, die dauerhaft die Emissionen
der Windräder überprüfen. Bisher habe die Gemeinde den tieffrequenten
Schall nicht berücksichtigt, sagte Hausmann. Wegen der veränderten
Rechtslage müssten die Vorrangzonen eigentlich gestrichen werden.
Copyright 2003 Kölnische Rundschau. Alle Rechte vorbehalten. |
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Kleinere
oder gar keine Windräder
Kölner
Stadtanzeiger vom 29.04.2004
von
Markus Clemens
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Gutachten
sollen Bürger schützen, die in von Lärm belasteten Landstrichen
leben.
Elsdorf - Durch das von der Bezirksregierung empfohlene erweiterte Lärmgutachten
kommt Bewegung in die Elsdorfer Windkraftdiskussion. Denn nun müssen
erstmals Lärmvorbelastungen - etwa aus dem Tagebau Hambach oder von
der Bandstraße - bei Genehmigungen von Windanlagen nördlich der
Bundesstraße 55 und nördlich von Niederembt mit berechnet werden.
So sollen Menschen geschützt werden, die in bereits vorbelasteten Gegenden
leben. Das kann dazu führen, dass kleinere, leisere oder schlicht
weniger Räder aufgestellt werden dürfen, betonte Beigeordneter
Johannes Mies in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bau
und Planung. Der Betreiber muss nun selbst prüfen, ob sich die
Anlagen für ihn in Elsdorf noch rechnen, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender
Wilfried Effertz.
Zudem haben die Elsdorfer ein von der Unteren Landschaftsbehörde des
Rhein-Erft-Kreises empfohlenes Landschaftsbildgutachten in Auftrag gegeben.
Damit solle geprüft werden, ob der Wert der Landschaft durch Windräder
nicht gemindert oder ob ein historisches Landschaftsbild zerstört werde.
Durch dieses Gutachten kann erreicht werden, dass die Räder nicht
mehr oder nur in geringer Höhe genehmigt werden, sagt Christoph
Hausmann von der Bürgerinitiative Störwind. Doch Hausmann
und Mitstreiter Werner Zavelberg fordern mehr. Sie wollen durchsetzen, dass
die Anlagen nachts überhaupt nicht laufen dürfen, eine Höhe
von 70 Metern nicht überschreiten und mindestens 1500 Meter von der
nächsten Wohnbebauung entfernt sind. Durch die empfohlenen neuen Gutachten
sehen sich die Windkraftgegner bestätigt. Zavelberg: Schade ist
nur, dass wir die Windräder an den Gemeindegrenzen zu Elsdorf nicht
verhindern konnten.
Fraglich ist nun, ob dieser Optimismus berechtigt ist. Denn die Grünen
befürchten, dass wir uns hier haarscharf an einer Verhinderungsplanung
vorbeibewegen, so Ratsmitglied Michael Broich. Er ist sich sicher,
dass die Investoren das Vorgehen der Gemeinde rechtlich prüfen
lassen werden. Sollten die Unternehmen dann zu der Überzeugung
gelangen, die Gemeinde spiele auf Zeit und wolle das Verfahren in die Länge
ziehen, sehe er schwarz: Dann erwarten uns hohe Schadensersatzklagen.
Bei der Bremer Firma EnergieKontor - sie plant Windparks in
Elsdorf - war gestern keine Stellungnahme zu bekommen. Doch in früheren
Mitteilungen des Unternehmens hieß es, sich nichts gefallen
zu lassen, was die Wirtschaftlichkeit unser Projektes gefährdet. Auf
eine solche Verhinderungsplanung werden wir mit Klagen reagieren.
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Grenzwerte
für Lärm verschärft
Kölnische
Rundschau vom 29.04.2004
Von HEINZ-LUDWIG KANZLER
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ELSDORF.
In den Bebauungsplänen für die geplanten Windkraftanlagen bei
Niederembt, Ohndorf und Oberembt werden die Grenzwerte für den Lärm
verschärft. Bei Ohndorf darf jetzt der Schallpegel den Wert von 39
Dezibel nicht überschreiten, zuvor waren 45 Dezibel vorgesehen. Bei
Niederembt sind es 42 statt bisher 48 Dezibel, bei Oberembt 51,5 statt bisher
54 Dezibel.
Die Gemeinde hatte beim TÜV ein ergänzendes Lärmschutzgutachten
eingeholt. Wie der Beigeordnete Johannes Mies im Bauausschuss sagte, hatte
der Regierungspräsident gefordert, dass die Belastungen durch vorhandene
Windkraftanlagen und die RWE-Bandanlage mit einbezogen werden. Laut Mies
hat vor allem der Lärm der Bandanlage dazu geführt, dass der Lärmschutz
verschärft wird.
Die Bürgerinitiative Störwind, die die Windräder
verhindern will, frohlockt. Denn sie glaubt, dass aufgrund der neuen Lärmwerte
die Windräder nachts ganz abgeschaltet werden müssten. Dann
werden sie für die Firma Energiekontor unwirtschaftlich, sagt
Christoph Hausmann. Wegen der rechtlichen Lage und des Gutachtens sei der
Bau der Windräder jetzt kaum noch möglich. Störwind
habe schon immer gefordert, dass der vorhandene Lärm berücksichtigt
werden müsse. Schade sei, so Werner Zavelberg, dass man die Windräder
in den Nachbarkommunen nicht habe verhindern können.
Mies teilt die Ansicht der Initiative nicht. Der Betreiber kann auch
andere Windräder einsetzen, die weniger Lärm machen, sagt
er. Und: RWE Power werde die Bandanlage voraussichtlich 2007 abschalten,
dann müsse neu gerechnet werden. Einen Automatismus, dass nachts komplett
abgeschaltet werden müsse, gebe es nicht. Laut Mies sind die festgelegten
Grenzwerte Mittelwerte. Der Betreiber dürfe auf 24 Stunden bezogen
die Grenzwerte nicht überschreiten. Die Anlage könne deshalb am
Tag lauter, in der Nacht leiser arbeiten. Wenn wenig Wind ist, können
die Anlagen auch nachts laufen, sagt Mies. Schon gebaute Windräder
stehen manchmal für eine gewisse Zeit still. Die Rotoren drehen sich
deshalb nicht, damit die Anlage den 24-Stunden-Grenzwert nicht überschreitet.
Das könnten tagsüber ein paar Stunden sein, aber auch nachts.
Michael Broich von den Grünen hat den Eindruck, dass die Verwaltung
die Windräder verhindern wolle. Im Ausschuss warnte er vor möglichen
finanziellen Folgen für die Gemeinde. Mies weist dies zurück.
Wir machen keine Verhinderungsplanung, sagt er. Wir müssen
ordentlich planen, denn wir wissen ja, dass die Bebauungspläne eventuell
gerichtlich überprüft werden.
Die Firma EnergieKontor wollte gestern nichts zu den neuen Lärmwerten
sagen. Wir warten ab, wie die Details aussehen, sagte die Sprecherin
Cerstin A. Lange. |